Bias Toolkit


Kleine Denkfehler mit großer Wirkung

Das menschliche Gehirn ist ungeschlagen, wenn es um schnelle Informationsverarbeitung geht. Innerhalb von Milli-Sekunden können wir wichtige Entscheidungen treffen. Die Bewertung von Situationen erfolgt über bestimmte Denkschemata (Heuristiken), die als mentale Abkürzungen fungieren. Diese Abkürzungen ermöglichen uns, so schnell zu reagieren. Allerdings funktioniert das nicht immer reibungslos. Wir alle unterliegen kleinen Denkfehlern, diese werden in der Wissenschaft kognitive Verzerrungen oder auch Biases genannt. Diese Denkfehler treten bei jedem Menschen auf, egal welchen Alters oder Geschlechts. Wenn man diese Fehler allerdings kennt, kann man sie vorausahnen und entsprechend mit ihnen umgehen.

Wie geht man mit Biases um?

Zunächst sollte man ein Verständnis davon haben, von welchen kognitiven Verzerrungen man betroffen ist. Jeder unterliegt zuweilen einem Bias, das ist nicht zwangsläufig schlecht: nochmals, die mentale Abkürzung, die den Fehler produziert, entlastet unsere begrenzten kognitiven Kapazitäten.

Ist der Bias einmal erkannt, wird es einfacher mit ihm umzugehen. Meist hilft es, sich klarzumachen, welcher Bias in uns am Werk ist. Ein Beispiel: Menschen unterliegen häufig der Sunk-Cost-Fallacy (dt.: der Irrtum über bereits vergangene Kosten). Wir beziehen bereits entstandene Kosten in unsere Entscheidungen ein, obwohl es aus rationaler Perspektive keinen Sinn macht. Das ist z.B. in Projekten häufig der Fall. Der Berliner Flughafen BER ist ein gutes Beispiel: hier vermuten Fachleute, dass es günstiger wäre, die Baustelle abzureißen und neu zu beginnen, als die Fehler zu korrigieren, die sich über die Jahre summiert haben. Weil aber schon so viele Mittel und auch Energie in das Projekt geflossen sind, entsteht das Gefühl "das darf doch nicht umsonst gewesen sein." Ergebnis: das Projekt wird aus dieser irrationalen Verzerrung weitergeführt.  

Deshalb haben wir das Bias Toolkit entwickelt: die 30 wichtigsten Denkfehler sind aufgeführt, die es in der alltäglichen Arbeit in und mit Organisationen zu beachten gilt. Die Karten des Toolkits können vielfältig eingesetzt werden, generell immer dann, wenn es um die Menschen im sozialen System geht. In folgenden Methoden kann das Bias Toolkit als Ergänzung eingesetzt werden:

SWOT-Analyse

Bei der SWOT-Analyse wird eine Organisation auf ihre Stärken (Strengths), Schwächen (Weaknesses), Chancen und Risiken (Threats) systematisch überprüft. Die SWOT-Analyse lässt sich gleichermaßen auf ein größeres Unternehmen, ein Team oder, wenn es um die persönliche Strategie eines Klienten geht, auch auf die Stärken und Schwächen einer Person anwenden. Die Bias-Karten können hier eingesetzt werden, um neue Ideen für die Umsetzung der erarbeiteten Tätigkeitsfelder zu generieren. Welchen Biases unterliegen die beteiligten Personen? Welche Missverstädnisse müssen aufgeklärt werden?

Stakeholder-Analyse

Bei der Stakeholder-Analyse werden die relevanten Personen (Stakeholder) hinsichtlicher einer Fragestellung aufgeführt und analysiert. Hierzug werden die relevanten Personen in Tabellenform aufgelistet. In weiteren Spalten werden positiver bzw. negativer Einfluss, die jeweiligen Ziele der Personen, typisches Verhalten und Ideen für den Umgang mit der Person notiert. Mit den Bias-Karten können für die Stakeholder zusätzlich passende Biases in einer zusätzlichen Stelle gesammelt werden. Die Bias-Karten fördern hier das Verständnis für das Verhalten einzelner Stakholder und bringen neue Ideen für die Umsetzung.  

Kraftfeld-Analyse

Die Kraftfeld-Analyse dient der Visualisierung von Machtverhältnissen und Unterstützungsbereitschaft. Relevante Stakeholder werden bezüglich einer bestimmten Fragestellung in das Raster eingeordnet. Entlang der horizontalen Achse werden die Stakholder nach ihrer Macht in der Situation bzw. Organisation eingeordnet. Entlang der vertikalen Achse werden sie nach ihrem Grad der Unterstützung (oben) bzw. Ablehnung (unten) eingeordnet. Ergänzend können die Bias-Karten neben die Personen geheftet werden, um neue Ideen für den Umgang mit ihnen zu generieren.